Unsere Verantwortung
Immobilienvermögen und Liquidität im Alter – ein strukturelles Spannungsfeld
In Deutschland liegt der Großteil des privaten Vermögens im selbstgenutzten Immobilieneigentum. Rund 45 Prozent der Haushalte verfügen über Wohneigentum. Ihr durchschnittliches Nettovermögen liegt bei etwa 670.000 Euro – mehrheitlich in der eigenen Immobilie¹.
Gleichzeitig ist die verfügbare Liquidität im Alter häufig begrenzt: Mehr als ein Viertel der Rentnerinnen und Rentner verfügt über weniger als 1.000 Euro monatlich² und fast die Hälfte der Menschen gehen mit weniger als 10.000 Euro Sparguthaben in Rente3.
Dieses Spannungsfeld ist strukturell angelegt: Vermögen wird langfristig aufgebaut und gebunden, während Liquiditätsbedarfe oft kurzfristig entstehen – etwa für den Alltag, für gesundheitliche Versorgung oder zur Anpassung der Lebenssituation.
Der Umgang mit diesem Spannungsfeld ist daher eine zentrale gesellschaftliche und ordnungspolitische Fragestellung und wird aufgrund der demografischen Entwicklung immer relevanter.
Immobilienverrentung im Kontext bestehender Lösungswege
Immobilienverrentung ist Teil eines breiteren Spektrums an Möglichkeiten, Immobilienvermögen nutzbar zu machen. Dazu gehören unter anderem:
- klassische Finanzierungen
- vollständige Veräußerung
- Verrentungsmodelle in unterschiedlichen Ausprägungen
Innerhalb dieses Spektrums nimmt die Immobilienverrentung eine spezifische Rolle ein: Sie verbindet die Nutzung des Vermögenswerts mit dem Erhalt der eigenen Wohnsituation.
Die Modelle zur Immobilienverrentung sind daher nicht als universelle Lösung zu verstehen, sondern als situationsabhängige Option, die insbesondere dort relevant wird, wo andere Wege nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen.
Ziel ist nicht die Substitution bestehender Modelle, sondern deren sinnvolle Ergänzung.
Eigenständiger Ansatz – keine Gleichsetzung mit klassischen Finanzierungen
Immobilienverrentung folgt einer anderen Logik als klassische Kreditmodelle. Sie basiert nicht auf persönlicher Verschuldung, sondern auf der Nutzung und späteren Verwertung von Immobilienvermögen.
Eine sachgerechte Einordnung muss diese Unterschiede berücksichtigen. Der BVIV setzt sich daher für einen differenzierten Ordnungsrahmen ein, der:
- die Besonderheiten der Modelle berücksichtigt
- Transparenz und Vergleichbarkeit stärkt
- und gleichzeitig den Zugang zu sinnvollen Lösungen nicht unnötig erschwert
Unsere Grundsätze
Der Bundesverband für Immobilienverrentung steht für Transparenz, Vertrauen und Qualität in der Immobilienverrentung.
Unsere Mitglieder entwickeln und verantworten Modelle, die Immobilieneigentümerinnen und -eigentümern zusätzliche Handlungsoptionen im Alter eröffnen. Dabei setzen wir auf nachvollziehbare Strukturen, klare Informationen und hohe Standards in Beratung und Vertragsgestaltung.
Unser Anspruch ist es, Immobilienverrentung verantwortungsvoll weiterzuentwickeln – im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher und im Dialog mit Gesellschaft, Politik und Aufsicht.
Wofür wir stehen:
Transparenz schafft Vertrauen
Transparenz ist die Grundlage für fundierte Entscheidungen. Der BVIV setzt sich dafür ein, dass alle wesentlichen Informationen – insbesondere zu Kosten, Rechten und Pflichten – klar, verständlich und vergleichbar dargestellt werden.
Dazu gehören unter anderem:
- ausreichend Zeit zur Prüfung vor Vertragsabschluss
- standardisierte Informationsunterlagen
- nachvollziehbare Beispielrechnungen
Schutz in wirtschaftlich sensiblen Situationen
Die Entscheidung für eine Immobilienverrentung wird häufig in einer Phase getroffen, in der finanzielle oder persönliche Veränderungen eine Rolle spielen.
Der BVIV steht für einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen Situationen. Dazu gehört:
- ein sensibler Umgang mit besonderen Lebenslagen
- eine realistische Einschätzung der individuellen Tragfähigkeit
- eine faire und nachvollziehbare Vertragsgestaltung inklusive höchstem Schutz der eigenen Immobilie bei Insolvenz
Beratungsqualität und Entscheidungsfreiheit
Eine fundierte Entscheidung erfordert Zeit, Verständnis und qualifizierte Beratung.
Der BVIV setzt sich dafür ein, dass:
- unabhängige Beratung jederzeit möglich ist
- Verbraucherinnen und Verbraucher umfassend informiert werden
- Vertragsunterlagen frühzeitig zur Verfügung stehen
Verantwortung übernehmen – Vertrauen stärken
Als Branchenverband versteht sich der BVIV als Plattform für Qualitätsstandards, Transparenz und Weiterentwicklung.
Ziel ist es, Immobilienverrentung als verlässlichen Bestandteil eines breiteren Lösungsangebots zu etablieren – im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher und im Dialog mit Politik, Aufsicht und Öffentlichkeit.
Wie wir das umsetzen: Satzung und Verhaltenskodex
Die Satzung des Bundesverbandes Immobilienverrentung e. V. finden Sie hier im Wortlaut:
Den Verhaltenskodex des Bundesverbandes Immobilienverrentung e. V. können Sie hier einsehen:
Fußnoten
¹ (2024) Daten zur Vermögensverteilung und Wohneigentum basierend auf SOEP-Daten (DIW Berlin), u. a. im Sozialbericht der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht.
² (2022) Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. N061 vom 29.09.2022 (Einkommensverteilung von Rentnerinnen und Rentnern).
³ (2020) Forsa-Umfrage von 2020
